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Pokal mit Zweifeln
Der 8. Gutedelcup wirft einige Fragen auf
Der Gutedelcup hat dem Markgräfler Gutedel über die
Jahre sehr gutgetan, davon sind wir fest überzeugt. Er hat
den Gutedel insgesamt besser und attraktiver gemacht. Seinen Initiatoren,
besonders Franz Herbster, haben die Markgräfler Winzer viel
zu verdanken. Bei den angestellten Qualitätsweinen kann man
auch in diesem Jahr wieder von einem insgesamt hohen Niveau mit
sehr wenigen Ausreißern nach unten sprechen. Einige Edelsüße
beeindruckten durch Tiefe und Finesse, die man dem Gutedel kaum
zutraut. Soweit die guten Nachrichten.
Leider gibt es auch weniger gute, und es bleiben Zweifel: Zum
Beispiel bietet ein erstplazierter Kabinett (von Huck-Wagner,
Efringen-Kirchen) bei dem das Säuremanagement völlig
schiefgegangen ist, Anlaß dazu. Beim zweiten der selben
Kategorie (von der WG Auggen) trapst der untypische Alterungston
schon recht vernehmlich um die Ecke. Und ein erstplazierter Qualitätswein
mit 13,5 Prozent Alkohol entspricht auch nicht gerade dem Idealbild
vom schlank-filigranen Gutedel, das auch in diesem Jahr lautstark
propagiert wurde. (Zumal man ihn gerade wegen der relativ niedrigen
Alkoholwerte gleichzeitig zum Gewinner des Jahrgang 2003 ausrief.)
Insgesamt überzeugten uns die ersten Drei der Kategorien
QbA und Kabinett überhaupt nicht.
Hat also die Jury versagt? Dazu müssen wir vorweg bemerken,
daß zwei Redakteure der "Nase des Markgrafen"
(Sigbert Hiss und Zsolt Pekker) dabei waren. Beim Kabinett von
Huck-Wagner haben wir die überschüssige Säure schon
in der Blindverkostung bemängelt; der schleichende UTA des
zweitplazierten Auggeners fiel uns zugegebenermaßen erst
bei der Nachverkostung der Preisträger auf. Wegen der großen
Zahl haben wir auch nicht alle angestellten Weine verkosten und
bewerten können, darunter auch einige der erstplazierten
nicht.
Immerhin hatten wir zwei Weingüter, auf deren Gutedel wir
große Stücke halten (Feuerstein und H. Schlumberger)
hoch- bis höchstbewertet - ihre Weine gelangten in der Gesamtbewertung
nicht einmal unter die ersten zehn. Wir fragen uns warum.
Noch mehr Fragen: Warum tauchen anerkannt herausragende Weingüter
- die von verschiedenen einschlägigen Weinführer als
solche eingeschätzt werden - nicht in den Ergebnislisten
auf? Und das schon seit Jahren? Warum räumen die WGs regelmäßig
die Preise ab? Zumindest die erste Frage läßt sich
teilweise beantworten: Dörflinger, Jähnisch, Köpfer,
Soder, Ziereisen, um nur einige zu nennen, nehmen an dem Wettbewerb
gar nicht erst teil. Ein anderer Punkt ist sicher, dass manche
WGs ihre Weine speziell für den Cup "machen".
Wir möchten zwei Antworten und eine These wagen - unter
dem Vorbehalt, daß auch wir nicht über den "absoluten
Geschmack" verfügen, letztlich subjektiv urteilen und
durchaus schwer danebenliegen können:
1. Der Modus der Verkostung ist ungünstig.
Die Verkostung fand im Saal des Müllheimer Bürgerhauses
statt. Die Weine wurden sehr korrekt in neutralen Flaschen, allerdings
etwas zu kalt präsentiert. Die Juroren bedienten sich selbst
und verkosteten im Stehen. Ruhige Konzentration konnte dabei kaum
aufkommen, zumal die Zeit für die gründliche Beschäftigung
mit jedem einzelnen Wein einfach nicht ausreichte.
2. Die Jury?
Es wäre vermessen, die Jury in Bausch und Bogen zu verurteilen.
Denn es waren ernsthafte und professionelle Verkoster dabei, die
etwas vom Gutedel verstehen - und damit meinen wir nicht die beiden
genannten Redakteure. Es fiel aber auf, daß einige Juroren
selbst die knapp bemessene Zeit nicht brauchten, sondern im Schnellverfahren
ihre Punkte vergaben. Dafür hatten sie dann Muße für
- ausdrücklich nicht erwünschte - Gespräche untereinander.
Und gehören WG-Kellermeister und -Geschäftsführer
wirklich in dieses Gremium?
3. Die subtilen Stärken des Gutedel haben keine Chance
Der Gutedel gilt als leicht zugänglicher Wein, der einfach
zu genießen ist und vom Konsumenten keine Vorkenntnisse,
kein gekonntes Hineinschmecken verlangt. Das stimmt im Prinzip.
Doch die wirklichen Stärken des Gutedel sind ausgesprochen
subtil, also untergründig und manchmal sogar versteckt. Um
sie im einzelnen zu analysieren, bedarf es dann doch einiger Erfahrung
und Finesse. Und man braucht Zeit.
Die milde Säure, die zurückhaltende Frucht, die feinen
Brot- und Nusstöne, die das Idealbild des Gutedels (mit niedrigem
Alkoholgehalt!) kennzeichnen, kommen in einer zügigen Blindverkostung
fast unweigerlich unter die Räder. Sie erschließen
sich auch dem versierten Verkoster nicht unbedingt beim ersten
Schluck, zumal wenn dieser ausgespuckt wird.
In einer Blindverkostung dominieren Weine mit kräftiger
Säure und deutlichen Fruchtnoten aus rein physiologischen
Gründen: Nase und Gaumen lassen sich von ihnen nachhaltig
beeindrucken. Nachhaltiger jedenfalls, als von den sehr dezenten
Aromen des Idealbilds. Einige Kellermeister in den Winzergenossenschaften
haben das sehr gut erkannt. Sie statten ihre Gutedel mit genau
diesen Merkmalen aus.
Dabei können durchaus ordentliche Weine entstehen. Wer sich
an 13,5 Prozent Alkohol nicht stört bekommt mit dem erstplazierten
Ebringer QbA einen kräftigen, aromatischen Weißwein,
der sicher gut zu hellen Fleischgerichten oder zu einer deftigen
Brotzeit passt. Aber eben keinen klassischen, filigranen Gutedel,
von dem ständig die Rede ist.
Es gibt solche Gutedel durchaus, und wir von der "Nase des
Markgrafen" bekennen uns zu dem Idealbild. Vor allem trinken
wir genau diese Art von Gutedel am liebsten. Unter den Preisträgern
des diesjährigen Gutedelcups finden wir sie nicht. Woanders
schon. Wir werden uns deshalb in den kommenden Ausgaben etwas
ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen.
Weitere Details und die Ergebnisse des Gutedelcups finden Sie
in der Pressemitteilung des Markgräfler Wein e.V.>>
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