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Neues über Wein aus dem Markgräflerland - Oktober 02

Herbsten im Herbst – Der Stand der Weinlese
“Badenreise“ der Deutschen Sommelierunion
Termine

 

Herbsten im Herbst
In Südbaden wird der Wein nicht „gelesen“, schon gar nicht „geerntet“ sondern „geherbstet“. Das Wort „Herbst“ (sprich: Herbscht) bezeichnet also sowohl die Jahreszeit als auch die Weinlese. Beide haben im Markgräflerland in den letzten Wochen begonnen, wenn auch nicht so, wie sich das die Winzer wünschen.

Seit Mitte September hat es ziemlich viel geregnet, die Böden sind feucht und die Trauben haben an Volumen zugelegt. Das ist um diese Zeit nicht mehr unbedingt erwünscht – allzu pralle Weinbeeren können aufplatzen und sind dann dem Befall mit Fäulnispilzen und Essigbakterien ausgeliefert. Dem haben allerdings die überwiegend sehr niedrigen Temperaturen im September entgegengewirkt. Anhaltende Feuchtigkeit und gestiegene Temperaturen im Oktober haben inzwischen dem Botrytispilz den Weg geebnet und den Befall befördert. Der Zuckergehalt der Trauben ist mäßig bis durchschnittlich, die physiologische Reife kann immerhin bei gesunden Trauben sogar sehr gut sein.

Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Lagen und vor allem den Traubensorten. Der Müller-Thurgau gärt bereits in den Tanks; der Regent wurde zum Teil auch schon hereingeholt. Bei den Burgundersorten hat das Herbsten für die einfachen Qualitäten begonnen. Der Gutedel hat in vielen Lagen noch zu wenig Oechsle, die qualitätsbewussten Winzer warten hier auf kommende Sonnentage. Die Trauben für die höheren Qualitätsstufen hängen noch an den Reben. Bei diesen und beim Gutedel wurde bisher meist nur die Vorlese durchgeführt, bei der faule Trauben herausgeschnitten werden.

Qualitätsbewusste Betriebe, die konsequent auf Mengenbegrenzung gesetzt haben, profitieren jetzt von der weiter fortgeschrittenen Reife und besseren Gesundheit der Trauben. Sie können verschiedene Sorten mit guter Qualität hereinholen, wo andere noch auf höhere Oechslegrade warten müssen. Beim Spätburgunder haben die lockerbeerigen Klone dem Wetter am besten widerstanden und können laut Landwirtschaftsamt in Erwartung weiterer Qualitätssteigerung bedenkenlos am Stock gelassen werden.

Fazit: 2002 wird wohl kaum kein Spitzenjahrgang, dafür hat die Sonne in den letzten drei Wochen zu wenig geschienen. Ein, zwei Wochen Sonne oder Föhn könnten aber den gesunden Trauben, die noch hängen, den notwendigen Schub für überdurchschnittliche Qualitäten bei den Prädikatsweinen geben.

Glossar

Physiologische Reife
berücksichtigt zahlreiche Faktoren wie Extraktgehalt, Geschmack der Phenole, Zustand der Beerenhaut etc.

Oechsle
Maßeinheit für die Dichte und damit für den Zuckergehalt des Traubenmostes

Regent

Rote Traubensorte, pilzresistente Neuzüchtung, ergibt dunklen, „südländischen“ Rotwein

Klone

Varianten einer Rebsorte. Besonders beim Spätburguder gibt es zahlreiche verschiedene Klone, die sich z. B. durch Gestalt und Größe der Trauben unterscheiden.

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„Badenreise“ der Deutschen Sommelierunion
Die sogenannte „Badenreise“ der Deutschen Sommelierunion (15. bis 17 September) ging dieses Jahr in die südliche Hälfte des badischen Weingebiets. Neben den großen Namen des Kaiserstuhls (Heger, Huber, Johner, Keller, Müller, Salwey, Schneider, Stigler) standen sieben Markgräfler Winzer bzw. Winzergenossenschaften auf dem Besuchs- und Degustationsprogramm: Heinemann, Jähnisch, Schlumberger, Soder, Ziereisen, WG Pfaffenweiler und WG Ehrenstetten, die als Gastgeberin fungierte.

Die Weinberater zeigten sich vom hohen Qualitätsniveau der Markgräfler Weine angenehm überrascht. Tanja Klein, Sommeliere und Mitbesitzerin des Klösterle Hof in Bad Rippoldsau, fasste ihre Eindrücke so zusammen: „Die Weine dieser Region sind deutlich unterbewertet. Für mich waren viele echte Entdeckungen dabei.“

Rot
Zu diesen Entdeckungen gehörten sicherlich die Spätburgunder des Weinguts Ziereisen aus Efringen-Kirchen. Dessen Spitzenprodukt, der 2000er „Rhini“, hat alles, was man sich von einem roten Burgunder wünscht: tiefe Farbe, große Nase und einen vollen wie fruchtigen Geschmack. Der Wein wurde in neuen Barriques ausgebaut, unfiltriert abgefüllt und kommt ab November in den Verkauf.

Der 2000er Batzenberger Spätburgunder „Selektion“ von Heinemann (Ehrenkirchen-Scherzingen) repräsentierte einen ganz anderen Typ Wein aus der selben Traubensorte: Sehr dicht und rund, dabei viel weicher als die knackig-kantigen Roten von Ziereisen – ein Wein, der schon voll trinkreif ist und viel Geschmack für einen günstigen Preis bietet.

Eine Überraschung war der rote St. Laurent des Ehrenstetter Winzerkellers. Die klassische Traube wurde früher schon in der Region angebaut, war aber in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts verschwunden. Sie wird seit einigen Jahren wieder angepflanzt. Obwohl Reben und Wein noch sehr jung sind, ist der 2001er Ehrenstetter St. Laurent schon erstaunlich dicht und rund, hat tiefe Farbe und ausgeprägte Tannine – ein ausgesprochen „südländischer“ Wein, bei 5,10 Euro außerdem ein echtes Schnäppchen und idealer Begleiter zu kräftigen Speisen.

Weiß
Den rund vierzig Weißweinen, die die Sommeliers in Ehrenstetten verkosteten, können wir in der Kürze nicht gerecht werden. Wir werden im einzelnen auf sie zurückkommen. Hier also nur ein kleiner Streifzug:

Die ganze Palette des Gutedel war vertreten: Von der klassischen Variante – erdig-blumig, mit Honig- und Nusstönen – bis zu den „moderneren“ Gutedeln, die filigran und säurebetont, mit feinen Fruchtaromen daherkamen. Die Auswahl zeigte die ganze Bandbreite des Potenzials, der in dieser oft unterschätzten Sorte steckt.

Was die Kenner und Liebhaber des Weißburgunders schon lange wissen, wurde hier bestätigt: Diese Sorte fühlt sich im Markgräflerland besonders wohl und bringt, wie wir mit den Sommeliers fanden, absolute Spitzenqualitäten hervor, wie zum Beispiel die 2001er Spätlese von Soder (Istein) oder der 2000er Kabinett von H. Schlumberger (Laufen).

Die WG Pfaffenweiler überraschte mit einem duftigen Sauvignon Blanc Spätlese, der vor Früchtearomen nur so strotzte, und mit einem knochentrockenen Gewürztraminer Spätlese, der die Liebhaber dieser Sorte voll überzeugte.

Dass es – in wenigen, eher untypischen Lagen – im Markgräflerland auch hervorragenden Riesling gibt, der zudem eine ganz eigene Note aufweist, bewies wieder einmal Achim Jähnisch (Kirchhofen) mit seinem 2001er. Die starke Mineralität dieses Weins stammt vom Muschelkalkverwitterungsboden des Staufener Schlossbergs.

Fazit: Gerade im Vergleich mit den benachbarten Kaiserstühlern trat der eigenständige, besondere Charakter der Markgräfler Weine deutlich zutage. In der Diskussion mit den Winzern nach der Verkostung waren sich alle einig, dass das Markgräflerland nur ein Image-Problem hat: Zu wenige wissen, wie gut die hiesigen Weine sind.

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Termine

26./27.10.2002
Weinfestival der Sinne - Die Baden-Württemberg Classics

Werner-von-Linde-Halle, München
www.badischer-weinbauverband.de/termine/
Telefon: 0721 / 55 70 28

26./27.10.2002
Markgräfler Sektmarkt

Müllheim
Tel. 07631 / 80 11 32

8.11 - 9.11.2002
Hiebers Weinmesse

Lörrach, Burghof

22.11.2002
Barrique-Abend in der Winzergenossenschaft Britzingen

mit Vier-Gänge-Menü
Telefon: 07631 / 17 71-0
www.germanwine.de/wg/britzingen/BritzingenEvents.php3

23./24.11. 2002
Weinfestival der Sinne - Die Baden-Württemberg Classics 2002

CEC Congress & Event Center, Berlin Tempelhof
www.badischer-weinbauverband.de/termine/
Telefon: 0721 / 55 70 28

24.11.2002
Offener Winzerkeller mit Kellerführungen und Verkostung

WG Britzingen, 11-18 Uhr
07631 / 17 71 0

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