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Neues über Wein aus dem Markgräflerland - Dezember 03

 

Vinum Rotweinpreis für Martin Waßmer
WG Auggen im Gault Millau 2004
Edelsüße in Britzingen
Mehr Masse?
Wirklich ein Jahrhundertjahrgang?

 

Vinum Rotweinpreis für Martin Waßmer
Beim rennommierten Wettbewerb um den Deutschen Rotweinpreis der Zeitschrift Vinum errang erstmals ein Weingut aus dem Markgräfler Land die höchste Plazierung. In der "Königsklasse" der Spätburgunder belegte Martin Waßmer aus Bad Krozingen-Schlatt mit seinem 2001er Qualitätswein "SW" den ersten Platz. Daß er ihn mit dem Weingut Adeneuer aus Ahrweiler teilen mußte, schmälert den Erfolg nicht - es macht noch deutlicher, auf welchem Niveau sich die herausragenden Markgräfler Rotweine inzwischen bewegen. Wir haben den Siegerwein probiert: Das Bouquet ist noch sehr verschlossen, aber kompakt und fest, mit Noten von dunklen und roten Waldbeeren sowie kühlen Kräutern. Am Gaumen sehr nachhaltig, mineralisch, rassig, mit hervorragender Balance, intensiver Sortencharakter. Unbedingt zu empfehlen.

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WG Auggen im Gault Millau 2004
Die Winzergenossenschaft Auggen ist im neuen Weinführer Gault Millau 2004 in den Kreis der nach Ansicht der GM-Redaktion 738 besten Erzeugerbetriebe Deutschlands aufgenommen worden. Zitat: "Die trockenen Weißweine des schwierigen Jahrgangs 2002 gefallen in ihrer frischen und sauberen Art. Ausgesprochen gelungen ist der Regent. So ist der Aufstieg nur folgerichtig".

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Edelsüße in Britzingen
Die Winzer der WG Britzingen haben am 24. und 25.11. Trauben der Sorten Ruländer und Weißburgunder mit Spitzenmostgewichten von 170 und 161 Öchsle-Graden ernten können. Neben diesen Trockenbeerenauslesen wurden von beiden Sorten auch Beerenauslesen mit 150 Öchsle und Auslesen mit 120 Öchsle eingelagert. Trauben der Sorten Gutedel und Weißburgunder hängen noch am Stock und warten auf starken Frost, um als Eiswein gekeltert werden zu können.

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Mehr Masse?
Mehrere Winzergenossenschaften in Baden, darunter auch einige aus dem Markgräflerland, wollen den Badischen Weinbauverband dazu bewegen, bei der Landesregierung einen Antrag zur Erhöhung der zulässigen Weinmengen zu stellen. Zur Zeit dürfen badische Betriebe maximal 90 Hektoliter Wein pro Hektar Rebfläche vermarkten. Das ist die niedrigste zulässige Menge in Deutschland - in Württemberg etwa liegt sie bei 110 Hektoliter. Die Befürworter der Mengenerhöhung in Baden möchten die Grenze auf 100 Hektoliter anheben.

Gerhard Rüdlin, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Efringen-Kirchen, begründet die angestrebte Maßnahme vor allem mit dem wachsenden Bedarf an Massenweinen für die Discount- und Supermärkte. "Für diesen Absatzmarkt brauchen wir große Mengen. Wenn wir sie nicht liefern können, kommen ausländische Weine in die Regale." Gegner der Erhöhung finden sich vor allem in den privaten Weingütern, die konsequent auf Qualitätsprodukte setzen und ohnehin gar nicht genug produzieren können, um mit den großen Ketten ins Geschäft zu kommen. Sie sehen die hohen Qualitätsstandards und den guten Ruf, den sich der badische Wein in den vergangenen 14 Jahren seit der Einführung der 90 hl-Grenze erarbeitet hat, durch die geplante Anhebung gefährdet.

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Wirklich ein Jahrhundertjahrgang?
oder: Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben
Vorschußlorbeeren wurden schon reichlich verteilt. Allenthalben ist vom Jahrhundertjahrgang nach dem Jahrhundertsommer die Rede. Nun ja, Klappern gehört auch zum Winzerhandwerk, hohe Erwartungen sollen hohe Erlöse begünstigen. Allerdings können sie auch zu großen Enttäuschungen führen, wenn sie nicht erfüllt werden. Deshalb hat sich die Nase des Markgrafen in einige Gläser mit Faßproben vertieft und mit einer Reihe von Experten gesprochen. Das vorläufige Ergebnis unserer Recherche: Ein Jahrgang mit viel Potential und möglicherweise noch mehr Fußangeln.

Die schlechten...

Wir konnten sogar schon einige abgefüllte Weine verkosten; auch im Markgräflerland vermehren sich die Primeurs wie Unkraut. Und hier waren die Ergebnisse durchaus ernüchternd. Selbst wenn man die allgemein niedrige Qualität dieser vinologischen Schnellschüsse berücksichtigt, stimmten uns die Proben eher nachdenklich als erwartungsfroh. Ein brandiger Spätburgunder mit fast 15 Prozent Alkohol, ein breiter, pappiger Discount-Grauburgunder mit 14,5 Prozent waren typisch. Von elf frühgefüllten Weinen, die wir verkostet haben, wurden alle geschmacklich vom überreichlichen Alkohol vollkommen erdrückt.

Und damit ist ein zentrales Problem benannt: Wenn das Lesegut schon im September den Spät- und Auslesebereich erreicht, gibt es eben kaum Weine mit weniger als 13 Prozent. Viele Weine der Burgundersorten werden wohl jenseits der 14 liegen. Für Liebhaber leichter, schlanker Kabinettweine ist das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Für die Vermarkter auch nicht, denn hier wird ein traditionelles Vorzeigesegment des Angebots teilweise ausfallen.

Ob sich hinter den rekordverdächtigen Öchslewerten immer hohe Qualitäten verstecken, ist auch keineswegs sicher. Master of Wine & Önologe Jürgen von der Mark aus Rheinweiler: "Die Hitze führte zu sehr geringen Säurewerten und geringerer Aromabildung als in ‚normalen' Jahren. Waren die Anlagen zu hoch im potentiellen Ertrag, so sind die vom Trockenstreß geprägten Aromen schon jetzt in den Weinen wahrzunehmen." Das Stichwort UTA - untypischer Alterungston - bekommt man in diesem Zusammenhang des öfteren zu hören. Auch die voraussichtliche Lagerfähigkeit der 2003er Weine wird von manchen Winzern und Verkostern mit großer Skepsis beurteilt.

...und die guten Nachrichten
Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille: Die Faßproben der Rotweine sind von einer Farbe, die wir in unseren Breiten sonst nicht kennen, zwischen tiefem Dunkelrot und veritablem Schwarz! Sie schmecken bereits sehr reif und trinkfertig, sind in den besseren Qualitäten dicht, stoffig und aromatisch. 14 Prozent Alkohol sind für einen Rotwein kein Problem, wenn er nur gut eingebunden ist. Deshalb gibt es hier einiges zu erwarten, wenn der Winzer von vornherein auf die Qualität geachtet hat. Hier kam es auf das strenge Aussortieren der stark eingeschrumpften Beeren an, die Aromen von Karamell und verbranntem Zucker in den Wein brachten. Jürgen von der Mark: "Tiefgründige, wasserhaltende Böden oder Steillagen mit hohem natürlichen Wasseraufkommen waren sicherlich die Gewinner dieses Jahrganges. Die eine oder andere Lage mag auch von einem Regen zur rechten Zeit profitiert haben. Junge Anlagen werden kaum hohe Qualitäten bringen da ihr Wurzelwerk noch nicht etabliert ist. Dieses Jahr spielen alte Reben ihre Vorzüge voll aus. Winzer mit Gespür für die Bedürfnisse ihre Reben, Erfahrung und Engagement werden den Jahrgang hervorragend umsetzen können." Die Böden im Markgräflerland sind fast alle sehr tiefgründig und gute Wasserspeicher.

Zu den Gewinnern des Jahrgangs wird höchstwahrscheinlich auch der Gutedel gehören. Hilke Marget vom Weingut Marget in Heitersheim: "Der Gutedel macht beim Zuckeraufbau irgendwann zu. Deshalb sind die Alkoholwerte bei dieser Rebsorte auch 2003 nicht übermäßig hoch. Die Aromatik hat sich prima entwickelt; ich rechne mit sehr intensiven und trotzdem schlanken Gutedelweinen." Das bestätigt auch unser Redakteur und Weinfachberater Sigbert Hiss: "Alle Gutedel, die ich bisher probiert habe, sind tatsächlich von der beschriebenen Art."

Bei den weißen Burgunderweinen berichtet Ulrich Bernhard (H. Schlumberger, Laufen) von Öchslewerten um 105°. "Bei den Faßproben haben wir schöne, dezent fruchtige Weine mit Schmelz; etwas alkoholreich, was mit Rückverschnitt wieder in den Trinkspaßbereich gebracht werden muß." Ähnliches zu den Weißen hört man von vielen anderen Winzern. Edelsüße Weine wird es reichlich geben, hier könnten ganz außergewöhnliche Produkte entstehen.

Fazit
Durchweg sehr gesundes Lesegut und hohe Reife waren die großen Geschenke, die die Natur den Winzern im Herbst 2003 gemacht hat. Es wird mit Sicherheit einige ganz außergewöhnliche Weine geben, aber auch nicht wenige durchaus problematische Tropfen. Der heiße Sommer hat besondere Anforderungen an die Winzer gestellt: Frühzeitiger Mengenrückschnitt, Reduzieren der Begrünung, regelmäßiges Aufbrechen des Bodens, um Verdunstung zu minimieren, waren gefordert. Gute Qualität wird beim 2003er nur aus älteren Rebanlagen kommen, die mit größter Sorgfalt bewirtschaftet wurden. Bei den Roten könnte es spektakuläre Ergebnisse geben; der Gutedel wird seine Stärken vielleicht deutlicher als sonst zeigen können. Im Februar wissen wir mehr; um die Haltbarkeit der Weine zu beurteilen, wird es länger brauchen. Um einen Jahrhundertjahrgang zu bejubeln, ist es eindeutig zu früh.

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