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Neues über Wein aus dem Markgräflerland - April 04

 

Die Verkostung
Stilistik
Regionale Vermarktung
Teilnehmer und Ergebnisse der Verkostung

 

"Auf der Zunge tanzen"
Spätburgunder im Fokus des 1. Markgräfler Burgundertags

Wo soll's hingehen mit dem Markgräfler Spätburgunder? Diese Frage war das erklärte Leitmotiv des 1. Markgräfler Burgundertages, zu dem die Redaktion der Nase des Markgrafen am 29. März ins Waldhotel Sulzburg geladen hatte.

 

Die Frage gab Anlaß für intensive Diskussionen unter den rund vierzig Winzern und Weinexperten, die am Nachmittag zu der Fachtagung gekommen waren. Fazit: Das Potential ist noch nicht ausgeschöpft, aber die Markgräfler Winzer sind auf einem guten Weg. Das wurde schon morgens bei der verdeckten Verkostung, mit der die Veranstaltung in kleinerer Runde begann, schon sehr deutlich.

Der 1. Markgräfler Burgundertag wurde großzügig unterstützt vom Waldhotel Sulzburg und der Treuhand Südl. Oberrhein Steuerberatungsgesellschaft aus Heitersheim.

Die Verkostung

39 ausgewählte Spätburgunder waren in zwei Kategorien angestellt - Weine unter und Weine über sieben Euro pro Flasche. Die Veranstalter hatten einen namhaften Premier Cru aus dem Burgund in die Probe der oberen Kategorie eingeschmuggelt. Er landete zwar erwartungsgemäß in der Spitzengruppe, befand sich aber dort in ausgeglichener Gesellschaft mit Weinen der Weingüter Heinemann (Scherzingen), H. Schlumberger (Laufen), Soder (Istein), Martin Waßmer (Schlatt) und Ziereisen (Efringen-Kirchen).

 

Die Jury setzte sich aus bekannten Weinexperten zusammen, unter anderem dem Master of Wine Jürgen von der Mark, und dem Chefsommelier des Restaurant Bareiss in Baiersbronn, Jürgen Fendt. Mit den Kaiserstühlern Joachim Heger und Martin Bercher und dem Kellermeister des Malterdinger Weinguts Huber, Stefan Beck, waren auch drei Winzer vertreten, die für ihre hochklassigen Spätburgunder international bekannt sind. Die Sommeliere Lidwina Weh (Wein-Wolf, Bonn) und unser Redakteur und Weinfachberater Sigbert Hiss machten die Runde komplett (von links nach rechts). Die Juroren verkosteten die Weine, die aus numerierten, neutralen Flaschen ausgeschenkt wurden und bewerteten sie nach dem 20-Punkte-System.

Einen Siegerwein wurde allerdings nicht bestimmt. Wir haben ganz bewußt auf die Bekanntgabe der genauen Punktzahlen für die einzelnen Weine verzichtet, denn das hätte nur eine falsche Objektivität vorgegaukelt. Wir wollten vor allem einen Trend erfassen. Deshalb haben wir die Weine, die nicht mehr als 0,5 Punkte unter dem Höchstwert lagen, als Spitzengruppe bezeichnet; weitere 0,5 Punkte darunter erstreckt sich der Bereich der ‚Verfolgergruppe'.

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Stilistik

Am Nachmittag kamen die Gäste, rund vierzig Winzer und Weinexperten zu den Vorträgen und Diskussionen, die auf dem Programm standen. Zunächst ging es um die Stilistik der angestellten Weine. Die Juroren zeigten sich besonders bei den Weinen im unteren Preissegment bis sieben Euro von der Stilsicherheit und hohen Qualität der Markgräfler Spätburgunder angetan.

"Ein Spätburgunder soll auf der Zunge tanzen; und die Musik dafür kommt eher von Mozart als von Wagner", versuchte Jürgen von der Mark seine Vorstellung von dieser Rebsorte bildhaft zu beschreiben.
"Die deutschen - und auch die Markgräfler - Winzer trauen sich eher im unteren Preissegment, auf diese Stärke zu setzen." Bei den teureren Weinen, so die Prise Kritik im allgemeinen Lob der Juroren, "versuchen die Winzer manchmal zu viel zu machen, zu viel in den Wein hineinzulegen."

 

In diesem Segment wurden die Weine offenbar mehr "gemacht", und wirkten dann manchmal angestrengt und gewollt. Daraus resultierte die deutlich größere Bandbreite der Weinstile in der gehobenen Kategorie. "Zum Teil wurde mit überreifem Lesegut gearbeitet, was marmeladige oder für den Spätburgunder untypische Pflaumenaromen hervorbrachte", bemerkte Jürgen Fendt in seinem Fazit der Verkostung. "Der Holzeinsatz war nicht immer perfekt; hier und da war zu viel Holz oder falsches Holz zu schmecken." Jürgen von der Mark ergänzte zu diesem Punkt: "Ich kenne Winzer, die sich um jede einzelne Traube kümmern, aber ihre Fässer blind im Großhandel kaufen. Das ist natürlich falsch. Der Holzeinsatz braucht große Sorgfalt und Aufmerksamkeit."

Ansonsten sollten die Winzer auch bei den teuren Weinen lieber weniger machen und mehr weglassen, nach dem Motto "Ich weiß, was ich nicht tue". Denn was kellertechnisch hergezaubert ist, können auch andere nachmachen. "Nur das Terroir läßt sich nicht kopieren", meinte von der Mark und verwies auf die Notwendigkeit, im internationalen Markt mit Eigenständigkeit aufzutreten. In diese Kerbe schlug auch Joachim Heger: "Das Gewollte und Gemachte wird schnell langweilig. Auf Dauer interessant sind nur die authentischen Weine, die ihre Eigenheit auch hervorkehren."

 

Diese schaffen es bei Blindverkostungen aber nicht häufig auf die vorderen Plätze. Daran, so folgte die Selbstkritik der Juroren auf dem Fuße, tragen auch die Jurys von Verkostungen eine Mitschuld. "Bei Blindproben schneiden die vollen, üppigen Weine in der Regel besser ab, obwohl wir zum Trinken eigentlich die schlanken, rassigen haben wollen."

Tatsächlich deutete sich diese Diskrepanz teilweise auch zwischen dem Ergebnis der Punktewertung und der Besprechung einzelner Weine an. Denn jeder Juror war aufgefordert, je einen Wein - noch immer "blind" - zu analysieren und zu beschreiben. Joachim Heger wählte dafür die 2001er Spätlese trocken vom Weingut Brenneisen in Efringen-Kirchen, die genau diesen rassigen-schlanken Typus verkörperte.

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Regionale Vermarktung

Ein Vortrag von Artur Steinmann von der fränkischen Winzervereinigung "Frank & Frei" brachte das Gespräch auf das Thema "regionale Vermarktungskonzepte". Frank & Frei ist es in den vergangenen Jahren gelungen, mit neuen Ideen den fränkischen Müller-Thurgau vom Ladenhüter zu einem Verkaufsschlager zu machen. Die wichtigsten Faktoren für diesen Erfolg waren laut Steinmann ein kompromißloses Qualitätskonzept, die klare Definition einer Marke und die vorbehaltlose Zusammenarbeit innerhalb der Winzergruppe. "Wir haben zunächst alles in Frage gestellt, ein neues Konzept erarbeitet und dieses dann mit viel Herzblut in die Wirklichkeit umgesetzt."

 

Die anschließende Diskussion um Qualitätskonzepte steuerte unweigerlich auf die Frage der Erhöhung der zulässigen Ertragsmengen zu, die von einigen badischen Winzergenossenschaften gefordert wird. Hermann Dörflinger war einer von vielen, die gegen diese Bestrebungen Stellung bezogen: "Es kann doch nicht sein, daß wir in jahrelanger Arbeit mühsam die Reputation unserer Weine aufbauen, und daß diese Arbeit dann in kürzester Zeit durch dieses Streben nach der Masse wieder zunichte gemacht wird."

"So etwas brauchen wir auch"
Der Müllheimer Winzer sprach damit seinen Kollegen offenbar aus der Seele: Die Gäste des Markgräfler Burgundertages, darunter auch die anwesenden Vertreter der Winzergenossenschaften, lehnten die Mengenerhöhung einhellig ab. Wer im Massenmarkt mit den überseeischen Anbietern konkurrieren will, ist langfristig zum Scheitern verurteilt, befand Sigbert Hiss. Der deutsche Weinbau könne auf Dauer nur mit Qualität trumpfen. Artur Steinmann brachte die Sache im Sinne seiner Markgräfler Kollegen auf den Punkt: "Wer auf Qualität setzt, braucht über Menge gar nicht mehr zu reden. Die bleibt dann ganz von allein niedrig."

Über den temperamentvollen Vortrag war es spät geworden, und so verlagerte sich die ausführliche Diskussion des fränkischen Erfolgsrezepts auf die freie Verkostung und das gemeinsame Abendessen, mit dem der Burgundertag abschloß. Hier läßt sich kein Fazit ziehen, denn die Gespräche fanden in kleinen Runden statt. Doch eines ist ganz klar geworden: Artur Steinmanns Ausführungen haben die Phantasie seiner Markgräfler Kollegen stark angeregt. Der Satz "So etwas brauchen wir auch" war jedenfalls ziemlich häufig zu hören.

 

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Teilnehmer und Ergebnisse der Verkostung

Gruppe I (unter 7 Euro)

Spitzengruppe (alphabetisch)
2002 Heinemann, Scherzingen: Scherzinger Batzenberg QbA trocken
2001 Marget K. M., Heitersheim: QbA trocken
2002 Walz Josef, Heitersheim: QbA trocken
2002 Waßmer Fritz, Schlatt: QbA trocken
2002 Winzergenossenschaft Britzingen Britzinger Rosenberg QbA trocken
2002 Winzergenossenschaft Laufen: QbA trocken
1997 Ziereisen, Efringen-Kirchen: QbA trocken

Verfolgergruppe (alphabetisch)

2002 Ehrenstetter Winzerkeller: Ehrenstetter Oelberg "Markgräfler" QbA trocken
2002 Schlumberger H., Laufen: QbA trocken
2002 Waßmer Martin, Schlatt: Markgräfler QbA trocken

Die anderen Weine (alphabetisch)
2001 Brenneisen, Efringen-Kirchen: Kabinett trocken
2002 Dörflinger, Müllheim: Müllheimer Reggenhag QbA trocken
1997 Köpfer, Grunern: Ballrechter Castellberg QbA trocken
2002 Lämmlin-Schindler, Mauchen: Mauchener SonnenstückKabinett trocken
1996 Quails Gate Estate Winery, Canada: Pinot Noir (Pirat)
2002 Soder, Istein: Qba trocken
2002 Winzergenossenschaft Pfaffenweiler: Oberdürrenberg QbA trocken
2002 Winzergenossenschaft Schliengen: QbA trocken
2002 Zähringer, Heitersheim: QbA trocken

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Gruppe II (über 7 Euro)

Spitzengruppe (alphabetisch)
2001 Heinemann, Scherzingen: Scherzinger Batzenberg Spätlese trocken, Barrique
1997 J. Prieur / A. Rodet, Burgund: Volnay-Santenots 1er Cru (Pirat)
1999 Schlumberger H., Laufen: Auslese trocken R
2000 Soder, Istein: Isteiner Kirchberg Spätlese trocken
2001 Waßmer Martin, Schlatt: SW QbA trocken
1999 Ziereisen, Efringen-Kirchen: QbA trocken Rhini

Verfolgergruppe (alphabetisch)
2001 Jähnisch Achim, Kirchhofen: Pinot Noir QbA trocken
2001 Waßmer Fritz, Schlatt: Pinot Noir QbA trocken
2001 WG Britzingen: Britzinger Rosenberg "St. Jacobus" QbA trocken
2001 WG Pfaffenweiler: Oberdürrenberg Spätlese trocken, Barrique***

Die anderen Weine (alphabetisch)

2000 Blankenhorn, Schliengen: QbA trocken, Barrique
2001 Brenneisen, Efringen-Kirchen: Spätlese trocken, Barrique
2001 Dörflinger, Müllheim: Badenweiler Römerberg Spätlese trocken
2001 Ehrenstetter Winzerkeller: Ehrenstetter Oelberg "Selection" Spätlese trocken
2000 Köpfer, Grunern: Grunerner Altenberg Qba trocken "alte Reben"
1999 Lämmlin-Schindler, Mauchen: Mauchener Frauenberg Spätlese trocken, Barrique
2001 Marget K. M., Heitersheim: * * * QbA trocken
2001 Walz Josef, Heitersheim: Heitersheimer Maltesergarten Auslese trocken
2002 WG Laufen: Laufener Altenberg QbA trocken, Barrique
2000 WG Schliengen Mauchener: Sonnenstück Auslese trocken, Barrique
2001 Zähringer, Heitersheim: Edition Zähringer Löwe SZ QbA trocken

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