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Weingut Dörflinger, Müllheim

 

Wenn man außerhalb unserer Region die Worte "Markgräflerland" und "Gutedel" fallen läßt, gibt es zwei häufigste Reaktionen. Die eine: ein fragender Blick. Die andere: Ah ja, Dörflinger. Wie wohl kein anderes hat das Weingut Dörflinger über Jahrzehnte das Markgräflerland und den Gutedel nach außen repräsentiert. Seine Erzeugnisse finden sich auf Weinkarten in ganz Deutschland, und der Name ist ein Qualitätsbegriff.

"In den sechziger Jahren haben viele Leute gesagt, die Weine vom Dörflinger kann man nicht trinken, die sind zu sauer", erinnert sich Weingut-Chef Hermann Dörflinger. "Aber mein Vater ist nicht auf der süßen Welle mitgeschwommen. Als einer von einer Handvoll Winzer in Südbaden hat er weiter konsequent auf durchgegorene Weine gesetzt." Dieser Linie ist der seit 1973 amtierende Sohn ebenso konsequent treu geblieben. Spätestens ab den Achtzigern konnte er die Früchte seiner Konsequenz ernten: "Die trockenen Weine kamen wieder, und einige Journalisten sind auf uns Standhafte aufmerksam geworden." Daß Dörflinger etwas von durchgegorenen Weinen verstand – was viele andere erst wieder lernen mußten –, sprach sich herum.

 

Das Adjektiv "klar" drängt sich ständig auf, wenn es um Dörflingers Erzeugnisse geht. Unaufdringlich fast bis zur Schüchternheit, leicht, sehr bekömmlich, dezent und fein in der Aromenstruktur, eben klar und gradlinig sind alle Weine des Müllheimer Winzers. Sie verbergen ihre Stärken eher als daß sie sie vor sich hertragen. Mit dem ersten Schluck bekommt man oft erstmal nur eine Ahnung, was sich im Glas befindet, und auch nach dem zweiten, dritten Glas bleibt das Gefühl, noch nicht alles herausgeschmeckt zu haben, was sich dort geschickt verbirgt. So machen Dörflinger-Weine einfach nicht satt – vielleicht das beste, was man über einen Wein überhaupt sagen kann.
Wenn man nachfragt, wie diese Tropfen entstehen, wird der von Anekdoten und Geschichten strotzende Weingutchef fast einsilbig. "Ich mache nichts ungewöhnliches", läßt er knapp vernehmen. Auf Nachfragen kommt wenig Überraschendes, das sich aber doch ebenfalls zu einer klaren Linie fügt.

Die Reben werden "so natürlich wie möglich" gepflegt; die Laubarbeit hat einen hohen Stellenwert; selbstverständlich wird die Menge reduziert – bei den Burgunderweinen im Durchschnitt auf etwa 60 Liter pro Ar. Der richtige Zeitpunkt für die Handlese – "bei mir kommt kein Vollernter in die Reben" – spielt eine wichtige Rolle.

"Dieses Jahr ist es nicht einfach. Bis Anfang Oktober sah es sehr gut aus, es fehlten nur noch wenige Sonnentage für einen sehr guten Wein, als der Regen kam und alles zurückwarf. Jetzt ist es das alte Dilemma: auf besseres Wetter warten und Fäulnis riskieren, oder gleich herbsten, auch wenn noch ein paar Öchsle fehlen?" Bei zwanzig Hektar Rebfläche in Müllheim und Badenweiler – für ein Markgräfler Privatweingut ist das viel – heißt die Antwort wohl sowohl als auch. Da kann man schon einen Teil riskieren, selbst wenn die Mengen, wie in diesem Jahr, schon durch den Hagelschaden reduziert sind.

 

Im Keller geht es nach dem selben gradlinigen Muster weiter. "Die beste Weinbehandlung ist die geringste Behandlung." Das Lesegut wird gründlich sortiert, um eine "saubere Vergärung" zu bekommen, die ohne exotische Hefen in Gang gesetzt wird. Bei besonders gutem Grundmaterial riskiert Dörflinger auch schon mal ein Spontanvergärung.

Natürlich wird bei der Vergärung gekühlt, aber in Maßen; anschließend bekommt der Wein vor allem Zeit, um sich in Ruhe zu entwickeln und im Faß selbst zu klären. All dies muß man dem Winzer fast aus der Nase ziehen, "isch doch nix b'sonders, ich weiß gar nicht, was andere alles machen."

Ganz anders, wenn es um die Markgräfler Paradesorte Gutedel geht. Dann wird er leidenschaftlich. Wie es denn angehen könne, daß ein Gutedel-Cupsieger schon im Frühsommer für 2,59 Euro im Supermarkt verramscht würde, daß ein Wein mit 13,5 Prozent Alkohol und kräftiger Restsüße zum besten Gutedel gekürt würde? Diese Erfahrungen aus den letzten Jahren bestärken ihn, dem Gutedelcup auch weiterhin fernzubleiben.

 

Er hat auch kein Verständnis dafür, daß manche Kollegen Gutedelreben ausreißen und durch andere Sorten ersetzen. "Das ist doch unsere Spezialität! Wir müssen ganz im Gegenteil Gutedel auch in die besten Lagen pflanzen, um unsere Paradesorte groß rauszubringen!" Er selbst tut genau dies und hat mit fast 50 Prozent einen sehr hohen Anteil Gutedel in seinem Sortenspiegel. Daß sein Konzept auch wirtschaftlich funktioniert, hat Hermann Dörfliger über Jahrzehnte bewiesen. Der einfachste Gutedel – selbstverständlich in der eleganten Schlegelflasche mit 0,75 Liter – kostet bei ihm 4,90 Euro. Und ist jeden Cent wert, wie eine treue Käufergemeinde Jahr für Jahr bestätigt.

Verkostungsnotizen
Die Weine stammen alle aus dem Jahrgang 2003. Die weißen QbA und Kabinettweine haben nur 13 Prozent Alkohol – das ist bei dem extremen Jahrgang ein geringer Wert –, die Gutedel nur 12 Prozent. Bei einigen Spätlesen hat Hermann Dörflinger erstmals geringe Mengen natürlichen Restzucker zugelassen, der die höheren Alkoholwerte gut abzupuffern hilft.

Müllheimer Reggenhag Gutedel QbA

Dezente Nase, sortentypisch nach Brot, Hefe, Mandeln duftend, im Mund leicht, frisch und klar. Ein Wein, der dem oft propagierten (und weniger oft getroffenen) Gutedel-Leitbild voll entspricht.

Müllheimer Reggenhag Gutedel Kabinett

Hier mischen sich leicht florale Noten ins Bukett, die am Gaumen aber der sortentypisch zurückhaltenden Art weichen. Noch "luftiger" als der QbA.

Müllheimer Sonnhalde Nobling Kabinett

Selten genug findet man den Sektgrundwein der Markgräfler als Stillwein ausgebaut, und nach dieser Verkostung verstehen wir noch weniger, warum das so ist. Das recht kräftige Bukett duftet nach kandierten Früchten und Aprikose. Im Mund dominieren Zitrustöne und eine deutliche Fruchtnote. Ein wunderbar ausbalancierter Wein, idealer Essensbegleiter vor allem zu exotisch gewürzte Speisen.

Müllheimer Reggenhag Weißburgunder Kabinett

Minze und Zitrustöne im Bukett, im Mund sehr leicht, frischfruchtig. Ein typischer Dörflinger-Wein.

Badenweiler Römerberg Weißburgunder Kabinett

Die mineralischere Bodenstruktur spiegelt sich in einer größeren Dichte des Weins und Tönen exotischer Früchte in der Nase.

Müllheimer Reggenhag Chardonnay Spätlese

Gigantische Nase nach vollreifen Früchten, im Mund dicht und voll, mit viel Schmelz und einer feinen Fruchtsüße. Trotz 8,3 Gramm Restzucker (bei 15 Prozent Alkohol) schmeckt der Wein trocken. Eine Bombe mit langem Nachhall.

Müllheimer Sonnhalde Spätburgunder Spätlese (Alte Rebe)

Die Nase ist krautig, mit Cassis- und Gewürznoten; im Mund dominieren Kirsche und Röstaromen, mit einer leichten Bitternote. Ein hocheleganter Wein.

Badenweiler Römerberg Spätburgunder Spätlese

Dezente Nase nach roten Beeren, Sauerkirsche. Im Mund sehr dicht, kantig, mit präsentem Sauerkirschton. Sehr intensiv, mit Entwicklungspotential

Müllheimer Pfaffenstück Spätburgunder Spätlese (Barrique)


Wie nicht anders zu erwarten, ist der Holzeinsatz sehr zurückhaltend und entsprechend harmonisch im Ergebnis. Die Nase ist zunächst sehr dezent, mit Kräuternoten im Vordergrund. Erst nach einiger Zeit kommen fruchtige und leicht ledrige Töne zum Vorschein. Im Mund präsentiert sich der Wein mit einer sehr eleganten, gut ausbalancierten Struktur.

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Weingut Dörflinger
Mühlenstraße 7,
79379 Müllheim
Tel: 07631/2207