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Die Stärken des Weins
Ehrenstetter Winzerkeller

 

Der Ehrenstetter Oelberg bildet einen nach Süden offenen, gegen die kalten Winde aus dem Norden gut geschützten Kessel mit Blick auf die Staufener Burgruine. Das Mikroklima behagt den Reben hier ganz besonders gut. Der alte Oelberg, Namensgeber für die Einzellage, steht zudem als einzige Weinberg Badens unter Naturschutz und zählt sicherlich zu den schönsten.

Die Besonderheit des Bollschweiler Steinbergs ist schon in seinem Namen beschrieben - der hohe Mineralanteil des Bodens ist eine Seltenheit im Markgräfler Land. Beide Lagen gehören exklusiv den Mitgliedern des Ehrenstetter Winzerkellers, die hier mit hohem Qualitätsanspruch bemerkenswerte Weine produzieren.

"Schon mein Vorgänger, Kellermeister Fritz Steinle, hat die zuckersüße Welle der sechziger und siebziger Jahre nicht mitgemacht, sondern auf traditionelle, überwiegend trocken ausgebaute Weine gesetzt", erinnert sich Geschäftsführer Franz Herbster. Bevor er 1989 als zweiter Kellermeister in Ehrenstetten anfing, hatte er in Frankreich, Australien und Neuseeland Erfahrungen gesammelt. 1990 führte er die neue Linie "Selection" ein, um den Kunden auch Spitzenweine von internationalem Zuschnitt anbieten zu können - mengenreduziert, von alten Reben, im Keller mit besonderer Sorgfalt vinifiziert. Das Glück der Tüchtigen bescherte den Ehrenstetter Winzern in jenem Jahr einen ganz großen Jahrgang. Bei nationalen und internationalen Verkostungen räumten die Selectionsweine zahlreiche Preise und Spitzenplätze ab. Seitdem zählt der Ehrenstetter Winzerkeller anerkanntermaßen zu den besten Winzergenossenschaften Deutschlands.

 

Diesen guten Ruf haben sich die Ehrenstetter bis heute redlich verdient. Konsequente Mengenreduzierung in den Reben, besonders bei den höheren Qualitätsstufen, ein schonender Umgang mit dem Lesegut und eine schnelle Verarbeitung der Trauben nach der Ernte schaffen die Voraussetzungen für hochwertige Tropfen. Im Keller ist der Erhalt der Aromenvielfalt oberstes Prinzip. "Wir haben im vergangenen Jahrzehnt sehr viel Geld in moderne Kellertechnik investiert, damit wir die Stärken unserer Weine voll zur Entfaltung bringen können", erläutert Kellermeister Norbert Faller.

Die Weißweine werden im Winzerkeller sortentypisch ausgebaut, ohne modische Übertreibung mit extremer Kaltvergärung oder exotischen Hefen. Die Trauben der beiden Einzellagen werden ebenfalls getrennt behandelt. Der Gutedel gehört natürlich zu den Ehrenstetter Paradepferden; es gibt ihn vom QbA bis zum Eiswein in praktisch allen Qualitätsstufen. Als einer von vier Betrieben produziert der Winzerkeller auch den "Chasslie", einen Gutedel, der lange im großen Holzfaß auf der Feinhefe (französisch "sur lie") liegen bleibt und eine sehr kernigen Weintypus hervorbringt. Den anderen Sorten-Schwerpunkt bilden auch in Ehrenstetten die Burgundersorten.

Vom Bollschweiler Steinberg kommt ein in der Region eher seltener Riesling. "Der sehr mineralhaltige, steile Südosthang ähnelt den Hanglagen im Elsaß und eignet sich hervorragend für diese Rebsorte", findet Franz Herbster. Sogar noch bemerkenswerter fanden wir den Bollschweiler Weißburgunder, der mit seiner außergewöhnlichen mineralischen Dichte ein Solitär im Markgräflerland ist. Auf Wunsch einer eingefleischten Stammkundschaft wird die kleine Menge Spätburgunder, die in dieser Lage wächst, halbtrocken ausgebaut. Wir hätten ihn lieber trocken gehabt, zumal dort alte Klone aus dem Burgund die Trauben liefern. Doch auch mit Restsüße ist dieser lagentypische Wein wirklich beeindruckend und, laut Franz Herbster, "zum Käse ein Gedicht".

 

Früher als viele andere in der Region haben die Ehrenstetter auf Rotwein gesetzt. Inzwischen sind 40 Prozent der Rebfläche mit roten Sorten bestockt. Das meiste davon ist natürlich Spätburgunder. Unter den zahlreichen Rotweinen des Winzerkellers finden sich einige echte Perlen, die wir in den Verkostungsnotizen beschrieben haben. Es gibt "klassische" und "moderne" Spätburgunder sowie den am burgundischen Stil orientierten "Pinot Noir". Die Rotwein-Cuvées "St. Georg" und "Camenot" bringen durchaus gekonnt eine südländische Note ins Spiel. Last but not least findet der Weininteressierte in Ehrenstetten ein ungewöhnlich breites Angebot an hochklassigen Sekten, die sich mehr als nur sehen lassen können.

Die einzige echte Schwäche des Ehrenstetter Winzerkellers ist die schier unüberschaubare Vielzahl von Flaschenetiketten und -ausstattungen. Hier reicht die Stilistik von altdeutsch-rustikal über hausbacken-langweilig bis übertrieben verspielt. Was aber fehlt, ist die klare Linie, die Wiedererkennbarkeit einer - wohl von den Winzern selbst - unterschätzten Marke. Denn die Weine aus Ehrenstetten spielen mit ihrer durchgehend beeindruckend hohen Qualität in einer ganz anderen Liga, als es das provinzielle Äußere der meisten Flaschen suggeriert. Es steht vielleicht sogar dem weiteren Aufstieg der Ehrenstetter im Weg.

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Eine Auswahl aus unseren Verkostungsnotizen:

2002 Weißburgunder QbA trocke
n
Dichtes, kompaktes Bukett, reife nussige Aromen, gepaart mit feinem Honigton; am Gaumen saftig mit Schmelz, dichte Struktur, schöne Säure, Würze und Mandel im Abgang; sehr preisgünstig.

2002 Weißburgunder "Bollschweil"
In der Nase Mirabelle, Pfirsich, Granny Smith, schön verwoben mit einer eher untypischen aber tollen Mineralität. Am Gaumen zitronige säure, wieder Mineralität, die dem Wein seine Finesse und Eigenständigkeit gibt; schlank und feinrassig.

2002 Riesling "Bollschweil"
Offenes, der Nase entgegenströmendes Bukett nach kremigem Pfirsich, etwas reife Aprikose. Am Gaumen trockene Mineralität, feine Struktur, ein typischer Riesling, wie man ihn im Markgräflerland nicht vermutet. Mittlerer Körper, verträgt auch kräftige Speisen.

2001 Spätburgunder "Bollschweil"
Dieser Wein wird für eine Gruppe eingefleischter Stammkunden als milder Spätburgunder mit etwas Restsüße ausgebaut. Er hat uns trotzdem überzeugt - die Qualität ist unbestreitbar. Einfach probieren, am besten zu würzigem Käse.

2002 Auxerrois "SL"
Dichte, kompakte Nase, frische Birnen, Litschi, sahnige Komponente, aber nicht dominant. Am Gaumen sehr dezent mineralisch, dichte, zugleich feingliedrige Art, reife Äpfel, Birne, Anflug von Banane, mit feiner Würze hinterlegt, toller Auxerrois!

2001 Spätburguder QbA Literflasche
Das altdeutsche Etikett ist so scheußlich, daß es mit seinem unbekümmert politisch-unkorrekten Spruch aus einem anderen Jahrhundert ("Macht die Frau ein Donnerwetter, trink ein Viertel Ehrenstetter") schon wieder das Zeug zum Kult hat. Dahinter verbirgt sich ein - in der Klasse der einfachen Spätburgunder - herausragender Wein. Reife Nase nach Waldbeeren, erdig, Unterholz, Anflug von Rumtopf. Am Gaumen saftig, mit einer gewissen Komplexität, schön ausbalanciert, kräftiger Körper, für die Qualität sehr preisgünstig.

2001 Pinot noir
Leicht rauchige Nase, Dörrfrüchte, kühle Aromatik, gepaart mit Kräutern und klar präsenter Kirschfrucht. Am Gaumen burgundisch im Stil, saftige Art, trockenes Tannin, wieder Kirsche und Kräuter, nach einer Stunde an der Luft regelrecht körnig. Ein echter "Burgunder", den man sich leisten kann.

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www.ehrenstetter-winzerkeller.de