Urgestein
Gerd Köpfer, Grunern
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Der Belchen ist zwar nicht der höchste, aber ganz
klar der imposanteste Berg des Schwarzwalds. Als einziger
1400er erhebt er sich fast direkt aus der Rheinebene zu
seiner subalpinen Höhe und blickt, den gedrungenen
Kopf zwischen den ungleichen Schultern, mit majestätischer
Gleichmut über das Münstertal gen Westen. Unmittelbar
an der Zehenspitze dieses von den Kelten als heilig verehrten
Gipfels, gleich am Ausgang des Tals zur Staufener Bucht,
liegt das Weingut Köpfer in Grunern.
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Vorgeschichte
Seit ein Vorfahr im Jahre 1740 das Anwesen vom Kloster St. Trudbert
erwarb, haben sich die Köpfers als Vögte, Lehrer, Weinhändler,
Landwirte, Winzer und Chronisten des Dorfes und seiner Umgebung
hervorgetan. Gerd Köpfer führt diese Tradition fort.
Der Hobby-Historiker erzählt detailreich von der Vergangenheit,
von Land und Leuten und nimmt dabei gelegentlich einige der zahllosen
Archivalien seines Privatmuseums hervor. Als einer von ganz wenigen
pflegt er auch ein durchgängiges Weinarchiv, das fast lückenlos
über ein halbes Jahrhundert zurückreicht. Es gibt wohl
wenige, von denen man soviel über Landschaft, Land und Leute,
und natürlich über die Geschichte des hiesigen Weinbaus
erfahren kann, wie von ihm.
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In seinen Hauptberuf ist er ohne formale Ausbildung hineingewachsen.
In der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges wurde er vom
Gymnasium weg zur Wehrmacht einberufen, kam aber mit viel
Glück schon bald nach Kriegsende nach Hause zurück.
In den Hungerjahren gab es nichts besseres, als eine funktionierende
Landwirtschaft, und zudem war eine mehrköpfige Familie
zu versorgen.
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Der Vater war 1943 verstorben. Die Mutter und die beiden Schwestern
mußten in den letzten Kriegsjahren ohne männliche Hilfe
auskommen. So blieb er auf dem Hof und begann seine autodidaktische
Agrarlaufbahn. Mit der Zeit lohnte sich aber die gemischte Landwirtschaft
immer weniger, und so stellte er in den sechziger Jahren auf reinen
Weinbau um.
Reben und Keller
Ein 1959er Köpfer-Gutedel aus dieser Zeit vor der Spezialisierung
präsentierte sich bei einer Archivalien-Verkostung im Februar
2003 ( siehe Neues
über Wein aus dem Markgräflerland - Februar 03)
mit Abstand als der Wein des Abends und belegt auch im Nachhinein
den Erfolg des Selbstlernens. 1978 stieg er als einer der ersten
in der Region auf den ökologischen Anbau um. Seine Gutsweine
tragen das Siegel des Ecovin-Verbandes.
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Neben Trauben aus fünf Hektar eigenen Reben - vorwiegend
Burgundersorten - verarbeitet er das Lesegut von weiteren
rund sieben Hektar seiner Vertragswinzer in Grunern. Sie
liefern vor allem Gutedel und Müller-Thurgau. Die eigenen
Rebstücke liegen verteilt in Grunern, Kirchofen, auf
dem Staufener Schlossberg und dem Castellberg in Ballrechten.
Vor allem der Schloßberg weist stark mineralische
Böden auf, die den Weinen von dort eine besondere Note
geben.
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"Im Keller mache ich nichts ungewöhnliches", berichtet
er bescheiden. Auf Nachfragen zeichnet sich auch hier das Bild
eines im besten Sinne konservativen, also erhaltenden Vorgehens
ab, das mit solider Ausstattung auf eher traditionelle Verfahren
setzt. Keine exotischen Hefen, keine extreme Kaltvergärung,
fast völliger Verzicht auf Barriques. Die Kühlung von
Kelter- und Lagerhalle besorgt - mit Hilfe einer ausgeklügelten
Luftzufuhr - der "Belchenwind". Das ist ein an warmen
Sommerabenden mit pünktlicher Regelmäßigkeit wehender
Fallwind, der kühle Luft vom oben erwähnten Schwarzwaldgipfel
ins Tal bläst.
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Saubere, schonende Verfahren, ein Sinn für Tradition
und eine inzwischen über fünfzigjährige Erfahrung
bringen Weine hervor, die all diese Stärken widerspiegeln.
"Blitzsaubere", frische und klare Weißweine
glänzen mit markanter Struktur und sortentypischen
Aromen. Die Spätburgunder kommen in der Regel erst
nach drei Jahren oder mehr in den Verkauf und sind dann
schon entsprechend ausgereift.
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Sie sind im besten Sinne "klassisch", fruchtbetont
und drahtig, mit einer schönen Mischung aus Frische und hintergründiger
Fülle - ein besonderes Erlebnis, wie der Besuch auf dem Köpferschen
Weingut.
Verkostungsnotizen
2002 Gutedel QbA - in der Nase Hefe, etwas Muskat und Champignon;
am Gaumen mit einer gewissen Kraft, erdige Aromatik mit spürbarer
Bitternote. Grundsolide, fein und sortentypisch.
2000 Weißburgunder Selection - sahnige Art, feine
Butteraromen und helles Gemüse, leichter Boytritis-Anklang,
der dem Wein aber gut steht. Im Mund reife Säure, viel Extrakt,
elegant, aber trotzdem voll, nach hinten feine, dezente Bitternote,
recht langer Abgang.
2001 Grauburgunder Spätlese trocken - Bukett von
reifen hellen Früchten, fast schon Kompott, Sahne und dunkler
Honig im Hintergrund. Seine 15 Prozent Alkohol bleiben elegant
eingebunden; am Gaumen viel Kraft und Wucht, leicht mineralisch,
mit schöner Säure.
2000 Spätburgunder QbA "Altenberg" - in
der Nase mediterrane Kräuter, Tee, man meint auch einen kalkigen
Boden zu riechen; im Mund wieder die Kräuter, feine Mineralität
im Abgang. Ein Wein, der komplex ist, aber zugleich mit einer
eigenwilligen, vornehmen Kargheit daherkommt. Ungewöhnlich
und sehr interessant!
2000 Spätburgunder Selection - im Bukett Unterholz,
Vanille, etwas Trüffel sowie eine herbe Walnußnote.
Im Mund hochreife rote Früchte, sehr gut integriertes Barrique,
tolle Struktur, voller, nachhaltiger Wein, mit teilweise modernen
Anlagen, braucht Zeit und eine Karaffe, wie fast alle Weine des
Gutes.
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Weingut Gerd Köpfer
Dorfstraße 22
79219 Staufen-Grunern
Tel: 07633/5288
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