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Tief verwurzelt
Lämmlin-Schindler, Mauchen

 

Wenn man in der warmen Jahreszeit auf den Lämmlinschen Hof im südlichen Markgräflerland kommt, fühlt man sich in noch südlichere Gefilde versetzt: Ein Ölbaum, Zitronen- und Feigenbäume stehen dort, nur zum Teil in Töpfen, überschattet von einem riesigen Baldachin aus Weinranken, die sich von der Scheune zum Wohnhaus hangeln. Die Scheune schließt an das historische Wirtshaus "Krone" an, ein Familienbesitz, der seit einigen Jahren verpachtet ist.

Natürlich stehen dort neben badischen Spezialitäten die Gutsweine des Eigentümers auf der Karte. Daß der Neubau, der die Südflanke des Ensembles bildet, sich erst seit einigen Jahrzehnten dort erhebt, erkennt selbst das architektonisch geschulte Auge kaum. Seine Proportionen und Materialien harmonieren mit den mehr als zweihundert Jahre alten Gebäuden gegenüber. Was hier steht, ist in Harmonie gewachsen.

800 Jahre
Und es steht auf tiefen Wurzeln. Die Familie Lämmlin stammt ursprünglich aus dem Schwäbischen, wo sie seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesenermaßen Weinbau betrieben hat. Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten die Vorfahren ins verwüstete Mauchen und hatten entscheidenden Anteil am Wiederaufbau des Dorfes, in dem das Weingut bis heute beheimatet ist. Warum sie ausgerechnet hier ihren Neuanfang wagten - es gab damals viele verwüstete Orte zu bevölkern - erkennt man leicht bei einem Spaziergang in der Umgebung. Mauchen liegt am südwestlichen Fuß des Schwarzwaldes in einem geschützten Talkessel, etwas abgewandt von den vorherrschenden westlichen Winden aus der Rheinebene. Das hügelige Vorgebirge mit der idealen Topographie für Rebenwuchs dehnt sich hier weiter als im nördlichen Markgräflerland.

 

Ob die Vorfahren die für die Region ziemlich hohen mineralischen Anteile in der Erdkrume auch schon als Vorteil sahen, mag hingegen bezweifelt werden. Diese Stärke des "Terroirs" konnten die traktorbewehrten jüngeren Generationen wohl eher schätzen. Jurakalkstein durchzieht hier die Krume, die stellenweise recht dünn auf felsigem Untergrund aufliegt. Vor allem die Lage Frauenberg, fast im Alleinbesitz des Weinguts, ist von diesem Mineral bestimmt.

Dort sowie im "Sonnenstück" und dem "Steinbux" wachsen auf 13,5 Hektar die Lämmlinschen Reben, überwiegend Spätburgunder, Gutedel, Weißburgunder und Chardonnay. Kleinere Mengen Grauburgunder, Rivaner, Scheurebe, Gewürztraminer und Riesling sorgen für eine ebenso umfang- wie abwechslungsreiche Sortenpalette.

Überzeugend ökologisch
Eine Gruppe von Vertragswinzern, die der Familie zum Teil schon seit Generationen verbunden sind, liefert Trauben von weiteren 5 Hektar an, die vor allem zu Basisqualitäten für die Literflasche ausgebaut werden. Sie stammen aus umweltschonendem Anbau, der auf Herbizide verzichtet. Konsequent und kontrolliert ökologisch - also ohne Herbizide, Insektizide und Kunstdünger - bewirtschaftet Gerd Schindler die eigenen Reben. Obwohl er schon seit 1984 auf diese Hilfsmittel verzichtet, ist der Lernprozeß des biologischen Anbaus nicht abgeschlossen: "Es gibt eine riesige Vielzahl von Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Da der Öko-Winzer eben auch im Notfall keine chemische ‚Feuerwehr' einsetzen kann, erlebt er jedes Jahr wieder Neues", betont der Weinbautechniker. Obwohl solche Überraschungen nicht immer angenehm sind und der Öko-Anbau deutlich mehr Arbeitsaufwand erfordert, hat er die Umstellung noch nie bereut. Im Gespräch über chemische Zerfallsprozesse und ihre Wechselwirkungen im Weinberg, über Grundwasser und Grenzwerte wird schnell klar, daß ihm der Schutz der Umwelt ein echtes Herzensanliegen ist. Ebenso wie die Qualität seiner Weine.

 

Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß Ökologie und Weinqualität sich in keiner Weise stören, so würde der Verweis auf die Produkte des Weingutes Lämmlin-Schindler genügen: Durch die Bank gehobene Qualität bis echte Spitzenklasse, nicht nur im internen markgräfler Vergleich. Doch auch auf hartnäckiges Nachfragen ist dem Weingutchef kein Bekenntnis zu einer "Ausbauphilosophie" zu entlocken. "Wir machen eigentlich nichts besonderes", konstatiert er bescheiden.

Die Weine
Man muß schon selbst hinschmecken und auf die Analysewerte schauen: Überwiegend ganz durchgegorene Weine mit kräftiger, aber immer harmonischer Säure, mit viel Extrakt und knackigem Charakter. Ab Kabinett aufwärts brauchen auch die Weißen ihre Zeit - die 2002er, die wir im Juni 2003 probierten, präsentierten sich zum Teil noch etwas verschlossen, ihr großes Potential eher andeutend als schon ganz ausspielend. Die Roten brauchen erfahrungsgemäß eher fünf als drei Jahre, bis sie den geduldigen Genießer mit fulminanten und durchaus einmaligen Geschmackserlebnissen belohnen: Die Spätburgunder von Lämmlin-Schindler haben eine ganz eigene, lagegeprägte Note, wie sie uns außerhalb Mauchens noch nirgendwo begegnet ist.

Auszüge aus unseren Verkostungsnotizen - die Weine stammen, wenn nicht anders angegeben, aus dem Jahrgang 2002:

Perlwein "Quippini" - paßt eigentlich nicht zum Weingut und seinen hochklassigen Produkten, haben wir ursprünglich gedacht. Dann wurden wir sehr angenehm überrascht: Feine, deutliche Pfirsichtöne in der Nase und im Mund, erfrischende Säure, fruchtig und leicht, der perfekte Sommeraperitif. Schlägt die handelsüblichen Proseccos um Längen.

Gutedel Kabinett trocken -Töne von Muskat, etwas Nuß, nach einiger Zeit im Glas fruchtige Noten (Birne, Apfel), am Gaumen feingliedrig aber fest, schlanke, frische Säure. Ein Gutedel mit Kraft und Eleganz.

Rivaner Kabinett trocken - Noch verschlossene Nase, dezente Muskataromen, etwas Heu und Sommerwiese. Sehr schlank, ohne jede Überladung, dafür mit Extrakt und Schmelz. Das beste aus der Müller-Thurgau-Rebe herausgeholt.

Weißburgunder Kabinett trocken - fruchtiges harmonische Bukett, helles Obst, sich langsam entfaltender feiner Hefeduft, am Gaumen dicht und kompakt, mineralisch, mit etwas Kohlensäure, anhaltender Abgang.

 

Chardonnay Kabinett trocken - Fast fünfzig Jahre Familienerfahrung mit dieser Rebsorte machen sich hier bemerkbar (so lange wird bei Lämmlin-Schindler schon Chardonnay angebaut): Ein großartiges, feingliedriges Bukett (Granny smith, Pfirsich, Zitrone, Zitronenmelisse) entfaltet sich auch am Gaumen, mit rassiger Säure, elegant und schlank, mit langem Abgang. Ein toller Chardonnay, wie ihn nur die Besten hinbekommen.

Chardonnay Spätlese trocken - Der Barriqueweißwein-Skeptiker in unserer Runde ließ sich zu folgender Aussage verleiten: "Der erste Weißwein mit Barriqueton, den ich freiwillig weitertrinken würde." Das will etwas heißen! Fulminantes Bukett (Apfel-Birne, Pfirsich, Aprikose, Marzipan) ein voller, aber drahtiger Körper, trotz 14 Prozent Alkohol keineswegs wuchtig; sehr extraktreich, tief und komplex, feine, sehr dezente Holzwürze, die sich in einer zurückhaltend feinen Marzipannote zeigt, schmelzig-langer Abgang. Großer Wein!

2001 Spätburgunder Kabinett trocken - Dunkle Aromatik, schwarze Kirsche, Lakritz, etwas Holunder und Pflaumenmus; sehr präsente Säure, wirkt noch sehr jung unruhig, körniges Tannin, braucht noch Zeit, läßt Potential erkennen.
pro domo

1999 Spätburgunder Spätlese trocken (Barrique) - Dieser Wein steht nicht mehr auf der Preisliste, zeigt aber, wie sich das Potential der hochwertigen Spätburgunder des Weinguts mit den Jahren entwickeln kann: Nase entfaltet sich langsam, vor allem Schwarzkirsche, Anklang von Trüffel. Am Gaumen sehr reife Brombeere, Schwarzkirsche, kühle Kräuternoten, schon samtig, sehr voll bei feiner Mineralität und Barriquewürze, lang anhaltender Abgang. Wird in den nächsten 2-3 Jahren noch besser, hält sich sicher mindestens bis 2008-2010.
pro domo


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Weingut Lämmlin-Schindler
Müllheimer Straße 4
79418 Mauchen
Telefon: +49 7635 440
Telefax: +49 7635 436