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Volldampfwinzer
Ziereisen, Efringen-Kirchen

 

Schreiner hat er ursprünglich gelernt, und bis 1991 "nur Bier getrunken", erzählt Hanspeter Ziereisen von seinem etwas ungewöhnlichen Weg zum Winzerdasein. Doch dann hat er seine Leidenschaft für den Wein entdeckt und sein Gut in kurzer Zeit zu einer der besten Adressen im Markgräflerland gemacht. Erst als es um die Weiterführung des väterlichen Hofbetriebes ging, hat Hanspeter Ziereisen Anfang der neunziger Jahre die Winzerlehre auf seinen Handwerksberuf draufgesattelt.

Und das erscheint im Rückblick nicht unbedingt zwingend: Er übernahm einen Mischbetrieb, unter anderem mit 70 Mastbullen, zu dem nur wenige Ar Reben gehörten. Die Trauben wanderten von dort direkt in die örtliche Winzergenossenschaft. "Kei Faß, kei nüt" hatte er im Keller, als er sich entschloß, die Tiere abzuschaffen und eigenen Wein zu produzieren. Per "Salamitaktik", Stück für Stück kaufte und pachtete er Rebfläche hinzu, mit Vorliebe die steilsten Lagen von Efringen-Kirchen, die von anderen Winzern als zu unwirtschaftlich angesehen wurden.

 

Heute bewirtschaftet er acht Hektar und seine Weine werden über die Region hinaus als "Geheimtip" gehandelt. Der Ex-Schreiner hat sich offenbar in einen Vollblutwinzer verwandelt. Daß er seine heutige Profession zudem mit Volldampf betreibt, bemerkt man im Gespräch nach spätestens zwanzig Sekunden. Geht es um Wein, sprüht und sprudelt er aus allen Knopflöchern, ganz im Gegensatz zur eher zurückhaltenden Art des typischen Markgräfler Landbewohners.

Seine ansteckende Begeisterung ist aber mit einem ungebrochenen Ehrgeiz gepaart - er will noch viel mehr erreichen.

Reben
Efringen-Kirchen verfügt über einige der steilsten und steinigsten Lagen der Gegend. Die Lehmauflage beträgt stellenweise nur zwanzig Zentimeter. "Wir haben extrem viel Kalk im Boden und deshalb immer niedrigere Säurewerte im Wein als die anderen", beschreibt Ziereisen die Grundbedingungen seiner Arbeit. "Dazu kommt die volle Südlage, im Windkamin der Burgundischen Pforte und ein ganzes Stück vom Schwarzwald entfernt. Mit 400 Millimeter Niederschlag im Jahr haben wir hier nur die Hälfte des Markgräfler Durchschnitts." Das sind für die Region ungewöhnliche Voraussetzungen. Ihr besonderes Potential voll zu entwickeln hat sich Ziereisen zum Ziel gesetzt.

 

"Früher habe ich geglaubt, 80 Prozent der Qualität komme aus den Reben, und 20 aus dem Keller. Heute denke ich eher, daß das Verhältnis bei 99 zu 1 liegt." Mengenbegrenzung ist selbstverständlich, ebenso der sparsame Umgang mit Dünger. Vom ökologischen Weinbau ist er noch nicht ganz überzeugt: "Ohne guten Pflanzenschutz keine Qualität". Vor allem komme es aber auf eine hohe, gut funktionierende Laubwand an. Bei der Lese setzt er auf konsequente Selektion der Trauben, in schwierigen Jahren mit ungleichmäßigen Verhältnissen werden die Stöcke in mehreren Durchgängen einzeln geerntet. Ab nächstem Jahr plant er die Trauben noch schonender in kleinen Kisten einzubringen.

Keller
Allerdings scheint uns "99 zu 1" doch etwas einseitig zu sein, denn auch im Keller geht Ziereisen ganz eigene Wege, die sicher mehr als ein Prozent seiner Weinstilistik beeinflussen. Nur der "Heugumper", sein einfachster Gutedel, wird zur Hälfte kaltvergoren, alle anderen Weißen fermentieren bei ca. 25 Grad. "Ein Grauburgunder muß nicht floral-fruchtig wie ein Riesling schmecken. Was da hinten ist, darauf kommt es an", behauptet er vehement und zeigt mit Daumen und Zeigefinger auf die hinteren Kinnladen, wo die Zungenwurzel die "Fülle" erfaßt. Dazu paßt es dann auch, daß die Weißen, wieder mit Ausnahme des Heugumpers, in alten Holzfässern ausgebaut werden, wo sie ihre kernigen, tiefen Aromen entfalten können.

 

Die Weine bleiben möglichst lange auf der Feinhefe, geschwefelt wird extrem spät, bei den Roten manchmal erst nach 18 Monaten. Was andere für zu riskant halten, sieht er als Grundlage für die volle Entwicklung der Faßreife. Bei sehr gesundem Lesegut und dem richtigen pH-Wert des Mostes verzichtet er manchmal auf die übliche Reinzuchthefe und läßt die Weine spontan vergären.

Wer bei dieser Beschreibung ans Burgund denkt, liegt völlig richtig. Hanspeter Ziereisen beschreibt eine Basler Weinprobe mit zwanzigjährigen Burgundern als sein önologisches Schlüsselerlebnis. 800 Jahre Tradition, die ständige Verfeinerung einer im Grunde gleichbleibenden Methode, "handgemachten" Wein zu produzieren, das sind die Vorgaben, an denen er sich orientiert.

Qualitäten
Außer dem Gutedel Kabinett weist er seine Weine durchweg als Qualitätsweine aus, schon wegen der Kundschaft aus der nahen Schweiz, die mit deutschen Prädikatstufen immer noch "pappsüß" assoziiert. Die Ziereisen-Weine sind natürlich trocken, "und zwar richtig durchgegoren - von halbschwanger halte ich nichts", stellt er klar. Bei den Spätburgundern differenziert er nach alten Gewann-Namen - der einfachste kommt ohne aus; aufsteigend heißen sie dann "Tschuppen", "Schulen" und "Rhini". Eine fünfte Stufe obendrauf ist in Arbeit.

 

Damit sind auch die wichtigsten Rebsorten des Betriebs schon genannt: 45 Prozent Spätburgunder, 30 Prozent Gutedel. 20 Prozent machen Weiß- und Grauburgunder sowie Chardonnay aus. Die restlichen fünf Prozent verteilen sich auf Regent, der im unteren Preissegment an die Stelle des Spätburgunders treten soll, und neugepflanzten Syrah als vielversprechendes Experiment.

Hanspeter Ziereisen lebt prima, wie er sagt, mit seinem Status als Geheimtip. An Wettbewerben beteiligt er sich fast nie, und auch in den einschlägigen Weinführern ist sein Name nicht zu finden. Seine Weine entziehen sich nicht nur durch diese freiwillige Abstinenz den üblichen Vergleichen. Sie weichen im Geschmacksbild deutlich vom Markgräfler Durchschnitt ab. Wie kaum ein anderer in der Region versteht er, tiefgründige Weine von großer und zugleich eleganter Fülle zu produzieren, die nicht vordergründig schillern sondern nachhaltig brillieren. Solche Weine brauchen eben mehr Zeit, um sich zu entfalten, als man hierzulande gewohnt ist - im Faß, in der Flasche wie im Glas. Für die Ziereisen-Weine lohnt sich eine Umgewöhnung.

Verkostungsnotizen

2002er Grauburgunder
In der Nase Akazienhonig, Tabak und Marzipan, gepaart mit reifer Birne; am Gaumen gut eingebundene Säure, dezent mineralisch, Marzipan im Hintergrund und eine feine Fruchtnote, sehr schön ausbalanciert.

2001er Grauburgunder und Chardonnay
Anfangs zurückhaltendes Bukett - kann eine Karaffe vertragen - nach frischem Brot, mit schmelziger Sahne und mineralischen Tönen. Am Gaumen saftig, reife Säure, feine nussige Aromen gepaart mit reifen Zitrusfrüchten, mit Schmelz.

2002er Spätburguder QbA
Schon der "einfache" Spätburgunder zeigt die Stärken der Ziereisenschen Roten, die in den höheren Kategorien immer intensiver zum Tragen kommen: In der Nase getrocknete Kräuter, kühle Minznote, Walnuss und "Unterholz". Am Gaumen kräftige aber angenehme Säure, Aromen wie im Bukett, satte Tanninstruktur, im Abgang Bitterschokolade.

2001er Spätburgunder "Tschuppen"
Traditionell burgundische Nase, mit Aromen von Dörrobst und Kräutern. Wie alle Spätburgunder von Ziereisen nicht auf Primäraromatik konzentriert, das Gegenteil einer Fruchtbombe. Am Gaumen noch verschlossen, wirkt schlank und rassig, mineralisch, im Abgang Bitternoten.

 

2001er Spätburgunder "Schulen"
In der Nase zurückhaltend, reife rote Früchte, Rumtopf, wieder getrocknete Kräuter. Am Gaumen sehr dicht, schöne Säure, reife Tannine, im Abgang Bitterschokolade und Walnuss, hohes Potential.

2001er Spätburgunder "Rhini"
In der Nase noch karg und zugeknöpft, fast grünlich, kalkig, etwas rote Kirsche. Am Gaumen dicht, mineralisch, tolle Tanninstruktur, sehr lang. Man schmeckt sein großes Potential, und auch von früheren Jahrgängen wissen wir, daß der "Rhini" noch weit von seinem Höhepunkt entfernt ist. Ein großer Wein, der erst in vier, fünf Jahren beginnen wird, sich wirklich zu entfalten.


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Weingut Ziereisen
Markgrafenstraße 17,
79588 Efringen-Kirchen
Tel: 07628/2848