Die wichtigsten Rebsorten des Markgräflerlandes
Die häufigsten und damit auch wichtigsten Sorten der Region
sind der Gutedel auf der einen und die Familie der Burgundersorten
(vor allem Blauer Spätburgunder, Weißburgunder, Grauburgunder,
Chardonnay) auf der anderen Seite. Sie bestocken jeweils rund
36 Prozent der Markgräfler Rebfläche. Danach folgt der
Müller-Thurgau mit etwa 14 Prozent. Diese Sorte befindet
sich allerdings klar auf dem Rückzug und wird an vielen Stellen
durch die oben genannten Varietäten ersetzt. Mengenmäßig
spielen alle anderen Sorten offensichtlich eine Nebenrolle. Doch
die Vielfalt ist groß, und manch ein Markgräfler Winzer
hat einen bemerkenswerten Muskateller, Riesling oder Cabernet
Sauvignon als Hausspezialität zu bieten.
Weißweine
Gutedel
Im Jahre 1780 hat der Markgraf und spätere Großherzog
Karl Friedrich von Baden verbesserte Reben dieser Sorte aus Vevey
am Genfer See ins Markgräflerland gebracht und für ihre
allgemeine Verbreitung gesorgt. Bis zur großen Flurbereinigung
im Jahr 1959 war die Gutedelrebe praktisch die einzige Rebsorte
im Markgräflerland. Sie ist heute immer noch die am weitesten
verbreitete und zugleich die besondere Spezialität der Region.
Außer im Markgräflerland gibt es nur noch in der Schweiz
eine nennenswerte Weinproduktion mit dieser Rebe - als Tafeltraube
ist sie weltweit sehr beliebt. Gutedelweine sind geprägt
von zartem, in der Regel zurückhaltenden Aroma (Nuß,
Mandel, Bittemandel, Hefe, Champignon). Sie haben sortentypisch
relativ wenig Säure und sind sehr bekömmlich. In der
Masse wir der Gutedel meist zu einfachen Tischweinen ausgebaut.
Kenner schätzen seine leichte Frische und Subtilität,
die er besonders als schlanker Kabinettwein entfalten kann.
nach oben
Müller-Thurgau (Rivaner)
Professor Hermann Müller aus dem schweizerischen Kanton Thurgau
- daher der Name - züchtete diese Kreuzung 1882 in Geisenheim
im Rheingau. Er selbst gab die Eltern irrtümlich als Riesling
x Silvaner an. Bis heute findet sich diese falsche Herkunftsbezeichnung
selbst in seriöser Literatur und bei renommierten Wein-Portalen
im Internet, manchmal in der Variation Riesling x Gutedel. Dabei
wissen wir seit einiger Zeit aus der Genanalyse, daß die
Sorte in Wirklichkeit einer Kreuzung zwischen Riesling x Madeleine
royale entsprang. Als relativ frühreife Rebe mit hohem Ertrag,
kam sie im Markgräflerland nach der Flurbereinigung groß
in Mode und wurde vor allem für Massenweine gebraucht. Inzwischen
ist sie wieder auf dem Rückzug. Bei qualitätsbetontem
Ausbau entwickelt der Rivaner ein feines Muskataroma bei milder
bis rassiger Säure.
nach oben
Weißburgunder
Der Weißburgunder ist die "heimliche" weiße
Spezialität des Markgräflerlandes. Boden und Klima scheinen
ihm besonders entgegenzukommen - jedenfalls gehören manche
der hiesigen Weißburgunder zu den besten Weinen überhaupt,
die aus dieser Rebsorte gekeltert werden. Er ist der "hellste"
Burgunder: Seine reifen Beeren werden goldgelb; im Glas schimmert
er durchscheinend grünlichgelb, im Gegensatz zum tieferen
Goldgelb des Grauburgunders. Bei guter Reife kommen feine fruchtige
Aromen zum Vorschein; helles Obst und Heuwiese sind hier die typischen
Töne, zu denen sich besonders bei Spätlesen eine buttrig-schmelzige
Note gesellen kann. Mit seiner ausgewogenen Säure, seinen
frischen aber nicht zu aufdringlichen Aromen paßt ein guter
Weißburgunder zu praktisch allen typischen Weißweingerichten
nach oben
Grauburgunder (Ruländer)
Der Grauburgunder ist wahrscheinlich eine Mutation des Spätburgunders.
Die reife Traube ist dunkel und wirkt unter der Wachsschicht der
Beeren grau - daher wohl der Name. Der Wein ist trotzdem weiß,
in der Regel von tieferer Tönung als der Weißburgunder.
Auch die Aromen sind beim Grauen meist kräftiger. Typisch
sind Noten von Birne, Honig, Ananas, Grapefruit und Gewürzen.
Je nach Erntezeitpunkt und Reifegrad kann er leichte, spritzige
Weine mit feinrassiger Säure bis hin zu gehaltvollen, öligen
Weinen hervorbringen, die dann oft als Ruländer bezeichnet
werden.
nach oben
Nobling
Der Nobling ist eine Züchtung des Staatlichen Weinbauinstituts
in Freiburg aus dem Jahr 1939, hervorgegangen aus der Kreuzung
Silvaner x Gutedel. Er galt im Markgräflerland eine zeitlang
als der "Sonntagswein der Gutedeltrinker". Er ist eine
einzigartige Markgräfler Spezialität, die es nirgendwo
anders gibt. Seine Weine können bei entsprechendem Ausbau
mit feinen Zitrustönen eine enorme Eleganz und Frische entwickeln.
Als Sortenwein konnte sich der Nobling nicht durchsetzen und wird
als solcher leider nur noch selten ausgebaut - ein echte Rarität,
wenn man doch mal einen findet! Sein Überleben ist aber wohl
trotzdem gesichert: Mit seiner kernigen Säure wird er im
Markgräflerland häufig als Sektgrundwein verwendet.
nach oben
Gewürztraminer
Er hat seinen Namen nicht von ungefähr - sein extrem würziges
Aroma, sein oft schwerer Rosenduft sind nicht jedermanns Sache.
Eine anspruchsvolle Sorte mit geringen Erträgen, wenig Säure,
viel Körper, hohem Alkoholgehalt und einer opulenten Geschmacksfülle.
Der Gewürztraminer ist prädestiniert für edelsüße
Weine; von der Auslese aufwärts kann er seine Stärken
so richtig ausspielen. Trocken, wie im nahegelegenen Elsaß
häufig zu finden, wird er im Markgräflerland nur selten
ausgebaut.
nach oben
Chardonnay
Gilt als eine der feinsten Weißweinsorten der Welt, sehr
wahrscheinlich benannt nach einem Dorf im Süden Burgunds.
Chardonnay ist heute weltweit verbreitet und kann ebenso edelste
wie nichtssagend-breite Weißweine hervorbringen - je nach
Standort, Klon und Pflege. Im Markgräflerland ist er mit
20 Hektar Anbaufläche noch nicht sehr verbreitet, befindet
sich aber auf dem Vormarsch. Wie sein Verwandter, der Weißburgunder,
fühlt er sich in der Region sehr wohl und entwickelt hier
in der Hand ehrgeiziger Winzer bemerkenswerte Qualitäten.
nach oben
Rotweine
Blauer Spätburgunder
Der Blaue Spätburgunder oder Pinot Noir wird allgemein zu
den edelsten Rebsorten der Welt gezählt. Aus ihm werden die
berühmten roten Burgunder gekeltert. Lange Zeit war er die
einzige zugelassene Rotweinsorte in der Region und ist mit Abstand
bis heute die verbreitetste. Wer je einen guten Pinot Noir aus
der Bourgogne getrunken hat, weiß welches Potential in dieser
Traube steckt. Dieses hat man bei den hiesigen Rotweinen über
lange Zeit nicht unbedingt bemerkt - der typische badische Spätburgunder
war bis in die 80er Jahre hinein ein zwar fruchtiger, aber oft
dünner und wenig ausdrucksstarker Tropfen. Inzwischen haben
aber viele Winzer den Ehrgeiz entwickelt, einen Rotwein zu produzieren,
der auch im internationalen Vergleich mithalten kann. Heute gibt
es eine Fülle guter und eine Reihe hervorragender Spätburgunder-Rotweine
aus dem Markgräflerland. Auch als Weißherbst kann die
Sorte, bei entsprechend Ausbau, allerhöchste Qualität
hervorbringen.
nach oben
Regent
Die pilzresistente Neuzüchtung aus Silvaner x Müller-Thurgau*Chambourcin
hat sich in den letzten Jahren zur zweiten Rotweinsorte nach dem
Spätburgunder entwickelt. Von der Farbe tiefrot ist er kräftig
und gerbstoffbetont. Seine Weine wirken "südländisch".
Er wird auch oft in den neuerdings aufkommenden Rotweincuvées
eingesetzt.
nach oben
Weitere Rotweinsorten
In den letzten Jahren werden immer mehr Rotweinsorten im Markgräflerland
angebaut. Dazu gehören unter anderem zwei Klassiker aus dem
Bordelais - Merlot und Cabernet Sauvignon - und einige Neuzüchtungen
wie Cabernet Dorsa oder Cabernet Mitos. Nicht alle Sorten sind
bereits allgemein zugelassen; sie firmieren dann nach dem Weinrecht
als Versuchsanbau. Dementsprechend sind die mit diesen Sorten
bestockten Flächen recht klein, und die Rebanlagen sind meist
relativ jung. Trotzdem bringen sie zum Teil schon sehr vielversprechende
Weine hervor. Oft werden sie auch zur Bereicherung der Aromenpalette
den hiesigen Rotweincuvées zugesetzt.
nach oben
|